Erfurt Declaration - German version
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Diese Deklaration wurde im Rahmen der Internationalen Konferenz “Urban biodiversity and design – Implementing the Convention on Biological Diversity in towns & cities” des Kompetenznetzwerkes Stadtökologie (CONTUREC) vom 21. - 24. Mai 2008 in Erfurt verabschiedet.
1. Präambel
Weltweite Bevölkerungszunahme in Städten, Klimawandel und Verlust der biologischen Vielfalt sind eng miteinander verknüpft. Für das Jahr 2050 wird vorhergesagt, dass 2/3 der Weltbevölkerung in Städten leben werden. „Der Kampf um das Leben auf der Erde“ wird darum in Zukunft maßgeblich in Städten entschieden werden.
Die Rolle, die Städte beim Verlust der weltweiten biologischen Vielfalt spielen, wurde bereits 1992 in der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) und in der Lokalen Agenda 21 behandelt sowie während der folgenden acht Vertragsstaatenkonferenzen diskutiert. Bislang wurden allerdings nur die Gefahren, die von Städten auf die biologische Vielfalt ausgehen, thematisiert. Hingegen blieben die Möglichkeiten, die Städte für den Erhalt der Biodiversität leisten könnten, weitgehend unbehandelt.
Ein wichtiger Schritt beim Erkennen dieses Potentials der Städte erfolgte im März 2007 in Curitiba (Brasilien). 34 Bürgermeister und zahlreiche hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Städten aller Kontinente gründeten die weltweite Partnerschaft „Städte und Biologische Vielfalt“, um kommunale Verwaltungen aufzufordern, ihren lokalen Beitrag zum Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt zu leisten.
Vom 21. bis 24. Mai 2008 trafen sich in Erfurt (Deutschland) rund 400 Wissenschaftler, Planer und kommunale Praktiker aus 50 Ländern, um zum ersten Mal im weltenweiten Zusammenhang aktuelle wissenschaftliche und praktische Ansätze zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention in Städten vorzustellen und zu diskutieren. Die vorliegende Deklaration unterstreicht die Meinung der Fachleute, dass die urbane Biodiversität einen entscheidende Rolle spielt, um die Ziele der Biodiversitätskonvention zu erreichen.
2. Die Bedeutung urbaner Biodiversität
Urbane Biodiversität umfasst die Vielfalt des biologischen Lebens auf der Ebene der Gene, der Arten und der Lebensräume, die in und um Städte anzutreffen ist.
Auf der Konferenz „Urbio 2008“ wurde der aktuelle Stand von Wissenschaft und Praxis zur „urbanen Biodiversität“ diskutiert. Die Beiträge der Konferenz verdeutlichten, dass unterschiedliche Herangehensweisen notwendig sind, um die Bedeutung und Funktion urbaner Biodiversität und deren Gestaltung zu verstehen und in der Praxis um zu setzen. Diese sind:
- Biologische Vielfalt in Städten und ihre Bewertung
- Kulturelle Aspekte der urbanen Biodiversität
- Soziale Aspekte der urbanen Biodiversität
- Biologische Vielfalt und Klimawandel
- Design und Zukunft der urbanen Biodiversität
Unsere Städte sind die zentralen Experimentier- und Erfahrungsräume für das Zusammenleben von Mensch und Natur.
Im Zusammenhang mit den Zielen der Biodiversitätskonvention ist die biologische Vielfalt in Städten vor allem aus folgenden Gründen wichtig:
- Städtische Ökosysteme haben eigenständige und charakteristische Eigenschaften.
- Städte sind wichtige Zentren der Evolution und Anpassung.
- Städte sind vielschichtige „Hotspots“ und Schmelztiegel regionaler Biodiversität.
- Die urbane Biodiversität leistet einen signifikanten Beitrag zur Lebensqualität einer zunehmend durch Städte geprägten globalen Gesellschaft.
- Die urbane Biodiversität ist die einzige Biologische Vielfalt, mit der viele Menschen direkt Kontakt haben.
Da sich Menschen vor allem für die Biologische Vielfalt engagieren, wenn Sie direkten Kontakt dazu haben, ist die Biologische Vielfalt und Naturerfahrung in Städten ein Schlüssel zum Erhalt der globalen Biodiversität.
3. Herausforderungen für die Zukunft
Um dem weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt auf zu halten und Vorsorge zu treffen, dass unsere Städte lebenswert bleiben, sind folgende Maßnahmen notwendig:
- das öffentliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt in Städten ist zu schärfen,
- die interdisziplinäre, langfristige Forschung zur urbanen Biodiversität ist zu fördern, um das Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen den Menschen, der urbanen und der globalen Biodiversität zu verbessern,
- die Forschung zum Klimawandel und der biologischen Vielfalt in Städten muss verbunden werden,
- der Dialog und der Wissenstransfer zwischen Forschern, Planern, Politikern und Bürgern müssen intensiviert werden, um aktuelle Forschungsergebnisse in die Stadtgestaltung zu integrieren,
- die Bildung im Bereich der urbanen Biodiversität und Gestaltung muss gefördert werden.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind neue Aktivitäten zum Thema „Städte und Biologische Vielfalt“ innerhalb der CBD dringend notwendig.
Folgende Institutionen sind aufgefordert, die oben genannten Maßnahmen umzusetzen:
- Wissenschaftliche Einrichtungen, Netzwerke und Arbeitsgruppen sollen sich verstärkt mit dem Vergleich der biologischen Vielfalt in Städten und deren Auswirkungen auf das Umland beschäftigen.
- Nationale und internationale Behörden und Institutionen sollen Forschung und „best practice“ Methoden hinsichtlich urbaner Biodiversität und Gestaltung unterstützen und fördern.
- Regierungen und Naturschutzbehörden sollen auf nationaler Ebene Informationen zur biologischer Vielfalt und Stadtentwicklung sammeln, koordinieren und überwachen (Monitoring).
- Lokale Behörden sollen urbane Biodiversität durch nachhaltige Gestaltung fördern.
Als Fachleute der urbanen Biodiversität werden wir die weiteren Aktivitäten der CBD hinsichtlich „Städte und Biologische Vielfalt“ besonders unterstützen, indem wir
- unser Wissen und Engagement über diese Konferenz hinaus auch in Zukunft zur Verfügung stellen,
- ein globales Bildung und Forschungsnetzwerk „URBIO“ zur urbanen Biodiversität und Gestaltung aufbauen,
- das Thema urbane Biodiversität durch den fortlaufenden Dialog mit der Biodiversitätskonvention fördern, insbesondere wollen wir zukünftige „Urbio“ Konferenzen mit Vertragsstaatenkonferenzen verbinden.
Im Auftrag der
Internationalen Konferenz des Kompetenznetzwerkes Stadtökologie (CONTUREC)
“Urban Biodiversity & Design - implementing the Convention on Biological Diversity in towns and cities”
21. - 24. Mai 2008, Erfurt, Deutschland www.urbio2008.com
Prof. Dr. Norbert Müller (Kongresshauptorganisator), Fachhochschule Erfurt, Leipziger Str. 77, 99084 Erfurt, Deutschland (Kontaktperson)
David Knight (Kongressorganisator), Natural England, Wakefield, England
Peter Werner (Kongressorganisator), Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) Darmstadt, Deutschland
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